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Project Horizon // Wiebke Lühmann

Wir freuen uns sehr, Wiebke Lühmann als neues Mitglied des Project Horizon Teams begrüßen zu dürfen. Wiebke ist leidenschaftliche Triathletin und liebt Abenteuer auf dem Rad. Rund um diese Bereiche setzt sie sich mit vielen spannenden Themen auseinander, die weit über das bloße Sporttreiben hinausgehen. Im folgenden Abschnitt stellt sie sich selbst vor und erklärt, was sie bewegt.
Ryzon, Journey, Project Horizon, Wiebke Lühmann
Wer bin ich?
Ich bin Wiebke, bin 26 Jahre alt und liebe Bikepacking und Triathlon. Ich lebe in Konstanz am Bodensee, studiere im Master Wirtschaftspädagogik, betreibe klassisch Vereinssport, bin Teil des Triathlonteams Konstanz für die Baden-Württemberg Liga und gleichzeitig Abenteurerin. Für mich ist die Balance zwischen strukturiertem Trainingsplan und spontanen Bikepackingtrips sehr wertvoll. In Konstanz habe ich einen Ort gefunden, wo ich beides erleben kann.

Was mache ich?
Am liebsten sitze ich selber auf dem Rad: entweder auf dem Gravelbike oder auf dem Rennrad. Manchmal lang, manchmal kurz. Manchmal schnell, manchmal ohne Hektik. Wenn ich nicht selber fahre, rede ich viel über das Radfahren. Ich teile meine Leidenschaft auf meinem privaten Instagramkanal @wiebkelueh. Aber auch im engen Austausch mit Freund:innen, Bekannten, Familienmitgliedern und Mitbewohner:innen kommt das Thema häufig auf. Je mehr ich fahre, desto mehr lieb ich's. Und je mehr ich drüber rede, desto mehr merke ich, wie viele Themen es gibt, die es absolut wert sind darüber zu sprechen. Entweder weil sie wunderschön sind und ich sie mit allen Menschen teilen will oder weil sie viel zu wenig besprochen werden und ich das Gefühl habe, dass darüber reden helfen kann, sie zu überwinden. Dies führte für mich zu der Entscheidung, Teil des neugegründeten Kollektivs The Women All Ride zu werden. Wissen weiterzugeben, sich zu vernetzen und gegenseitig zu bestärken ist ein wichtiger Teil für mich und meinen Weg geworden.

Warum mache ich es?
Für mich ist Radfahren die offensichtlichste Erkenntnis, dass ich aus eigener Kraft richtig weit kommen kann. Und je mehr ich diese Selbstwirksamkeit realisiere, je enger ich mit meinen Körper zusammenarbeite, je mehr ich meine Grenzen verschiebe, desto freier kann ich mich fühlen. Und das tut mir gut. Dadurch werde nicht nur ich selbst unabhängiger und selbstbewusster, sondern kann auch etwas an andere zurückgeben.
Ich bin sehr privilegiert diese Erfahrungen sammeln zu können und darüber sprechen zu dürfen. Es macht mir viel Freude meine Geschichten zu teilen und ich habe gelernt, dass wir im ständigen Prozess sind. Wir wachsen, lernen und verändern uns täglich. Ich bin überzeugt davon, dass wir unser Leben durch unsere Handlungen, unsere Gedanken und unser Mitgefühl selber beeinflussen können und das motiviert mich enorm.

Wofür engagiere ich mich und wofür will ich stehen?
Radfahren ist Empowerment. Man empowert sich quasi selber. Es ist die Symbiose zwischen körperlicher und geistiger Stärke, Ausdauer, Naturerlebnis und Selbsterfahrung. Das alles möchte ich weitergeben. Ich bin überzeugt, dass man mit den richtigen Vorbildern (also mit echten Personen, mit denen man, bzw. vor allem auch frau, sich identifizieren kann), dem richtigen Umfeld und einer Prise Mut, alles erreichen kann. Ich möchte aber nicht nur andere inspirieren und motivieren, ich möchte auch komplexe Themen anstoßen und in den Austausch darüber kommen.



Im April hat Wiebke sich auf ein Bikepacking-Wochenende von Konstanz ins Allgäu und zurück begeben. Hier könnt ihr lesen, was sie auf ihrem Abenteuer erlebt hat:

From the lake to the mountains

Im Alltag merke ich manchmal gar nicht, wie die Zeit vergeht. Aufstehen, Kaffee trinken, arbeiten, essen, mehr Kaffee, weiter arbeiten, Training, essen, Handy, schlafen. Die Tage im Lockdown sind häufig sehr monoton. Und zack, schon wieder ist Mitte April. Was passiert mit den vielen Stunden?

Ich liebe Sonnenuntergänge. Und Unabhängigkeit. Auch, wenn sich zwischendurch immer wieder diese Alltagsroutine einschleicht, was ja irgendwie normal ist, liebe ich es auszubrechen und für eine kurze Zeit abzuhauen. Die gewohnten Strukturen verlassen, meinen Körper etwas fordern, so viel frische Luft wie möglich zu atmen und dabei den Kopf freizubekommen. Das ist auch bei dieser Tour mein Ziel.
So motiviere ich mich, immer wieder – und am liebsten alleine – loszuziehen und den Horizont zu wechseln. Das Fahrrad ist dabei mein bester Begleiter. Ich lege weite Strecken zurück, kann ausreichend Gepäck transportieren und bin auf niemanden angewiesen. Nur auf mich selbst. Die Entscheidungen, wo ich schlafe, was ich esse oder wie weit ich fahre, sind mir überlassen. Ich genieße es, neue Orte zu entdecken und dabei meinen Rhythmus zu finden. Ob im Wald, auf Radwegen oder durch ländliche Dörfer, in wenigen Augenblicken sammele ich zahlreiche neue Eindrücke. Jede Minute ist anders. Jede Minute bin ich wach und im Moment. Zwar werden meine Beine müde, aber meine Batterien laden sich dabei neu auf. Dabei geht es für mich momentan gar nicht darum, weit zu reisen. Eher darum kurz mal auszubrechen und durchzuatmen. Auch wenn am Anfang das Packen manchmal sehr kräftezehrend ist und es viele kleine und große To-Dos gibt, an die ich denken muss, raffe ich mich auf die Komfortzone zu verlassen. Es sind die Weekend-Escapes, die Micro-Adventures oder Overnighter, die mich reizen.

Ryzon, Journey, Project Horizon, Wiebke Lühmann

Vom Bodensee ins Allgäu

3 Tage | 2 Nächte | 292 Kilometer | 3888 Höhenmeter

Von Konstanz nehme ich die Fähre nach Meersburg, auf die andere Seeseite. Die Alpen sind in der Ferne schon vom See aus zu sehen. Sie liegen etwas verdeckt vom Nebel. Laut Wettervorhersage sollen die nächsten Tage Temperaturen zwischen -5 und 15 Grad werden. Ich habe vom langen Merinojersey, Überschuhen und dicken Socken bis zum kurzen Trikot alles dabei.
Nach den ersten 20 Kilometern am See lege ich direkt meine erste Pause ein. Ich bin spät gestartet und es ist schon Mittagszeit. Ich hole mir beim Bäcker einen Muffin, den ich direkt am Hafen verspeise. Ein Mann spricht mich an und fragt wo es denn hingeht und ob „das nicht gefährlich sei als Frau alleine auf dem Rad?“. Ich sage, ich fühle mich sicher. Das gefährlichste in Europa, finde ich, ist der Verkehr auf der Straße – und der bleibt mir auf dem Gravelbike häufig erspart, da ich viel im Wald oder auf Feldwegen unterwegs bin.
Auf meiner Bikepackingtour in Südamerikatour 2019 habe ich häufig gedacht, „kann ich mir ja nicht aussuchen, ob ich eine Frau oder ein Mann bin“, als ich diese Frage gestellt bekam. Zufriedenstellend ist diese Antwort für meinen Gegenüber aber meistens nicht. Überzeugender hingegen ist, wenn ich erzähle, dass mir Menschen, wenn ich alleine reisen, viel häufiger Hilfe anbieten. Die Offenheit und das Vertrauen der Leute scheinen größer, wenn ich solo unterwegs bin. Und ich genieße dieses Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit beim Bikepacken.
Kurz nach den ersten Höhenmetern und der Route, die vom See wegführt, erreiche ich den ersten Schnee. Ich habe heute noch gute 1000 Höhenmeter vor mir, bis ich mein Tagesziel Immenstadt erreiche. Ein paar knackige Anstiege lassen mich zum Schwitzen kommen, aber die Aussicht über die Berge und die Ruhe im Wald sind es wert. Ich mache Halt im Wald, esse meine mitgebrachte Brezel und bin zufrieden, dass ich endlich unterwegs bin. Mein Ziel in diesen Tagen ist es, mein eigenes Tempo zu finden und die Tour bewusst zu genießen.

Tag zwei – von Immenstadt nach Haubach bei Isny – lasse ich mich einfach rollen. Ich fahre knappe 70 Kilometer und treffe zwischendurch noch zwei andere Bikepackerinnen, die mir auf ihrer Strecke von Ulm nach München entgegenkommen. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und freuen uns gemeinsam über unsere Abenteuer. Der Track führt mich durch die schneebedeckten Wälder und ich genieße die Aussicht über das Illertal. Die Temperaturen sind angenehm. Zwischenzeitlich muss ich schieben, weil der Schnee auf über 1000 Höhenmetern zu hoch ist. Es begegnet mir für über eine Stunde keine Menschenseele. Ich habe das Gefühl, dass nur ich ganz alleine in dem Wald bin.

Die Sonne am dritten Tag scheint ab mittags kräftig, sodass ich meine Arm- und Beinlinge ausziehen kann und mich nochmal so energiegeladen fühle, dass ich einen kleinen Umweg über Bad Waldsee einplane. Um 11:30 Uhr lege ich ein zweites Frühstück ein und halte für eine Portion Pommes an, die ich mir auf einer Wiese vor dem Schloss Zeil schmecken lasse. Mein Körper sagt mir klar, was er braucht. Wir sind ein gutes Team, denke ich. Zwischendrin entdecke die lokalen Sehenswürdigkeiten – alte Linden, Brunnen, Bäche, alte Gebäude, Bauernhütten, Wiesen. Ich nehme viele Eindrücke mit und auch wenn meine Beine zum Ende sehr schwer sind, fühle ich mich, als hätte ich mehr erlebt als in den letzten drei Wochen. Nach 125 Kilometern ist mein längster Tag der letzte meiner Reise. Müde, hungrig und völlig zufrieden erreiche ich meine Haustür.

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